Nach dem Frühstück und einer ausgiebigen Lager-Aufräum-Session gab es am Morgen endlich wieder Taschengeld. Ein durchaus wichtiger Moment im Lagerleben – schließlich stand am Mittag ein Ausflug nach Nes auf dem Programm. Und damit ging es tatsächlich erst an Tag 9 zum ersten Mal mit dem gesamten Lager in den Inselmittelpunkt.
Nes ist so etwas wie das pulsierende Zentrum der Insel: mehr Geschäfte, mehr Menschen, mehr Betrieb – und an einem Sonntag natürlich nochmal eine ganze Schippe mehr. Vor allem, wenn sich sämtliche Ferienlager der Insel dort versammeln, um sich gegenseitig die Betreuer vor der Nase wegzusuchen.
Denn genau das stand heute auf dem Programm: das große Betreuersuchspiel!
Die Regeln sind schnell erklärt: Die Betreuer aller Ferienlager verkleiden sich möglichst kreativ, mischen sich unter die Menschenmenge und anschließend müssen die Kinder ihre eigenen Betreuer wiederfinden. Klingt einfach? Ist es aber überhaupt nicht. Zwischen Touristen, Einheimischen und einer Horde komplett verkleideter Betreuer den eigenen Lagerbetreuer zu erkennen, ist ungefähr so leicht wie einen bestimmten Sandkorn am Strand zu finden.
Auch wir waren natürlich wieder mit einer ganzen Reihe kreativer Kostüme am Start. Insgesamt 1.536 Lagerkinder und Betreuer waren heute in Nes unterwegs - Wahnsinn!
Und während einige Betreuer offenbar erstaunlich gut darin waren, sich zu verstecken, hatte einer ein ganz anderes Problem: Unser als Rentner verkleideter Julian fand schlichtweg keine Tischgruppe, bei der er unterkommen konnte. Ob es an seinem fortgeschrittenen Alter, seiner Gehhilfe oder einfach an mangelnder Anschlussfähigkeit lag, konnte bis Redaktionsschluss nicht abschließend geklärt werden.
Nach rund 1,5 Stunden war die Sucherei schließlich vorbei und die Kinder durften ihre zuvor ausgezahlten Taschen voller Taschengeld direkt wieder in Umlauf bringen. Pommesbuden und Eisdielen wurden gestürmt, bevor es anschließend mit dem Fahrrad wieder zurück Richtung Lager ging.
Mit einer Ausnahme: Tisch 1.
Die Jungs und Mädels hatten beim Schiffeversenken schließlich einen Taxi-Joker gewonnen – und der wurde heute kurzerhand eingelöst. Während der Rest des Lagers fleißig in die Pedale trat, ließ sich Tisch 1 ganz entspannt mit dem Auto chauffieren. Clever gespielt, clever eingesetzt. So sieht strategisches Jokern aus!
Nachtgeländespiel
Zurück im Lager warteten dann bereits leckere Pfannkuchen von Roland. Eigentlich ein perfekter Abschluss für einen ohnehin schon ereignisreichen Tag.
Eigentlich.
Denn wer nach dem gemeinsamen Kinofilm am Abend dachte, jetzt sei endgültig Feierabend, der hatte die Rechnung ohne Maic gemacht.
Nach dem Film trat er vor das Lager und verkündete die Nachricht, die vermutlich bei einigen Kindern für sofortige Begeisterung und bei anderen für einen kurzen Blick Richtung Bett sorgte:
In dieser Nacht steigt das Nachtgeländespiel!
Eine alte Lagertradition wurde damit wiederbelebt. Und weil wir es dieses Jahr nicht ganz so einfach haben wollten, wurde die Strecke wieder etwas ausgeweitet – so, wie sie früher auch von den Betreuern gelaufen werden musste.
Um 23:15 Uhr, bei inzwischen vollständiger Dunkelheit, machte sich der erste Tisch auf den Weg. Insgesamt warteten sechs Betreuerstationen auf die Gruppen – verteilt im Dorf, auf dem Muschelweg und sogar am Leuchtturm.
Dort mussten die Kinder Fragen unterschiedlichster Art beantworten, kleine Spiele meistern und natürlich ordentlich Punkte für die Hausmeisterschaft sammeln. Es wurde gerätselt, gespielt, gelaufen und vermutlich auch das ein oder andere Mal darüber nachgedacht, warum man sich freiwillig um diese Uhrzeit noch draußen herumtreibt.
Nach und nach trudelten die Gruppen wieder im Lager ein. Die letzten erreichten gegen 3 Uhr morgens das Ziel – ziemlich müde, aber mit jeder Menge Geschichten im Gepäck.
Und weil ein Lagerabend um 3 Uhr natürlich noch nicht komplett wäre, wartete zum Abschluss noch Gabis Käse-Lauch-Suppe auf die Nachtwanderer. Eine warme Schüssel Suppe, ein paar müde Gesichter und dann war endgültig Schluss.
Gammelmorgen? Verdient.
Nach diesem Tag – und vor allem nach dieser Nacht – durfte am nächsten Morgen wirklich jeder ohne schlechtes Gewissen einfach mal gar nichts tun.
Gute Nacht!